Lieberhausen

„Bonte Kerke“ im oberbergischen Lieberhausen: „So bont as de Lieberhuser Kerke“

Die Evangelische Kirche mitten in Lieberhausen

Am Beginn und am Ziel unseres Wanderweges – inmitten des malerisch gelegenen Ortes Lieberhausen – steht die kleine evangelische Dorfkirche. Die spätromanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert ist ein besonderes Kleinod. Mit ihren farbigen Wand- und Deckenmalereien aus dem 15. und 16. Jahrhundert gehört sie zu den „Bonten Kerken“, wie sie im Oberbergischen genannt werden (weitere „Bonte Kerken“ gibt es in Müllenbach, Marienhagen, Marienberghausen und Wiedenest).

Der Innenraum der „Bonten Kerke“

Dabei weist die Lieberhausener Kirche einige Besonderheiten auf. Zum einen fällt sie durch eine geradezu verschwenderische Fülle an Wandmalereien auf, für die sie sprichwörtlich bekannt wurde. Wie in einem biblischen Bilderbuch lassen sich die Inhalte aus dem Alten und Neuen Testament betrachten, angefangen vom Schöpfungsbericht und Sündenfall bis zum Jüngsten Gericht.

Der Höllenrachen – eine Botschaft in Bildern

Die Kirche blieb auch „bunt“, als Lieberhausen evangelisch wurde. Andernorts hatte die Reformation eine Bilderfeindlichkeit ausgelöst, die in den Bonten Kerken dazu führte, dass sämtliche Malereien weiß übertüncht wurden. In Lieberhausener hingegen wurden sogar noch weitere Bilder hinzugefügt. Es ist im Rheinland kunsthistorisch einmalig, dass vor- und nachreformatorische Bilder nebeneinander betrachtet werden können.

Evangelisch wurde Lieberhausen im Jahr 1586. Der damalige Pfarrer Hermann Garenfeld galt zunächst als eifriger Anhänger der römisch-katholischen Religion. Auf Drängen von Gemeindemitgliedern studierte er Luthers Schriften.

Im Jahr 1586 kündigte er dann der Gemeinde an, dass er im nächsten Gottesdienst lutherisch predigen werde. Diese Predigt habe – so berichten die Kirchenbücher – die Gemeinde so ergriffen, dass sie „wie ein Mann“ zum evangelischen Glauben wechselte.

Die Bildervielfalt in der Lieberhausener Kirche widersprach nicht eigentlich der Auffassung Luthers. Dieser hatte sich nur gegen vermeintlich fromme Bilder-Stiftungen in den Kirchen gewandt, mit denen die Menschen ihr Seelenheil zu erkaufen suchten – nicht aber gegen Bilder zur Veranschaulichung des Evangeliums. Dass er an Bildern seine Freude hatte, zeigen seine eigenen Bibelübersetzungen, die er reich hatte illustrieren lassen. Den Malern hatte er dabei aufgetragen, „aufs einfältigste den Text abzumalen und keine unnützen Dinge, die dem Text nicht dienen, dazuzuschmieren“.

Viel später als in den anderen Bonten Kerken, erst im Jahr 1850, wurde der Wandschmuck in Lieberhausen mit kalkweißer Farbe übermalt. Und schon 1909 wurden die Malereien wieder­entdeckt und wieder hervorgeholt.
Die Kirche in Lieberhausen ist ganztägig geöffnet. Nehmen Sie sich vor oder nach der Wanderung auch Zeit für einen Besuch!